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Lebenshilfe ermöglicht Menschen mit Behinderung ein selbständiges Leben

Tenor beim Festakt zum 50-jährigen Jubiläum: Inklusion benötigt gesellschaftliches Umdenken


Menschen mit Behinderung erhalten in Lüneburg seit einem halben Jahrhundert individuelle und bedarfsgerechte Hilfen, um so selbstständig wie möglich leben zu können.
Dahinter steht die nunmehr 50-jährige erfolgreiche Geschichte der Lebenshilfe Lüneburg, die als kleine engagierte Bürgerbewegung 1964 mit einigen Familien an den Start gegangen war, und die heute mit den Vereinen Lüneburg und Harburg sowie der gemeinnützigen GmbH Lebenshilfe LüneburgHarburg Menschen mit Behinderung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und im Beruf ermöglicht.

Bei einem Festakt am Montagabend in der Ritterakademie Lüneburg feierte die Lebenshilfe ihr Jubiläum. Ehrengäste der 50-Jahr-Feier waren unter anderem die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe Ulla Schmidt, die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt, der niedersächsische Landesvorsitzende Franz Haverkamp, Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt. Durch das Bühnenprogramm mit Musik und Theaterszenen führten Menschen mit Behinderung und Dagmar Pitters, Vorsitzende des Vereins Lebenshilfe Lüneburg.
„Ich finde die Lebenshilfe klasse. Wir können stolz auf sie sein“, sagte Pitters.

Franz Haverkamp erklärte in seinem Grußwort, die Lebenshilfe habe in Lüneburg einen Meilenstein bei dem Einsatz für die Rechte von Menschen mit Behinderung gesetzt. Aktuelle Zahlen untermauern die Erfolgsbilanz: Die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg ist einer der größten Arbeitgeber in der Region mit 908 hauptamtlichen Mitarbeitern, 896 Menschen mit Handicap arbeiten an sechs WerkstattStandorten, davon 80 auf ausgelagerten Arbeitsplätzen, 1786 Menschen mit Behinderung nutzen die Einrichtungen und Dienste, 425 Menschen die verschiedenen Wohnangebote, 40 Standorte hat die Lebenshilfe insgesamt mit allen Kitas, Läden und Einrichtungen.
„Die Lüneburger haben stets über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut und ihre Wertvorstellungen von der gleichberechtigten Teilhabe der Menschen mit Behinderung in den Landes- und Bundesverband hineingetragen, die Lebenshilfe so auf Bundes- und Landesebene gestärkt und vorangebracht“, sagte Haverkamp. Nun gelte es, das Bewährte zu bewahren, nicht über Bord zu werfen, sondern weiter zu entwickeln.

„Ja, es ist viel erreicht, keine Frage. Die Lebenshilfe hat gut ausgebildete, engagierte Mitarbeiter und das Unternehmen hat viele Qualitäts-Zertifikate. Doch mit der Behindertenrechts-Konvention ist aus der Idee Inklusion ein Rechtsanspruch geworden. Und dafür ist heute und in den nächsten Jahren eine Menge zu tun“, sagte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg, Ernst-Albrecht von Moreau.

Inklusion erfordere ein Umdenken von allen, Inklusion brauche eine gesellschaftliche Haltung, die sie aber bislang noch nicht erkenne, meinte Dagmar Pitters. „Wenn die Gesellschaft nicht mitgeht, können sich Behindertenorganisationen abstrampeln wie ein Hamster im Rad.“ Und für Inklusion müsse auch auf rechtlicher Ebene viel verändert und getan werden, zumal viele Gesetze dem Ziel entgegen wirkten. „Wir stehen erst am Anfang. Inklusion muss sich an den Schwächsten orientieren. Und das sind die schwerst mehrfach behinderten Menschen“, forderte sie.

Die Bundesvorsitzende Ulla Schmidt sagte, sie sehe die Umsetzung der UNBehindertenrechtskonvention als Schwerpunkt ihres Amtes bei der Lebenshilfe. „Wir müssen darauf bestehen, dass die Bedingungen stimmen, sonst wird es in einigen Jahre heißen: Inklusion geht nicht“, verdeutlichte die ehemalige Bundesgesundheitsministerin. Viele Eltern fürchteten bereits, dass die Idee der Inklusion auch missbraucht werden könne, um Kosten zu sparen, etwa wenn Kinder mit Behinderung zwar eine Regelschule besuchten, aber für die nötige zusätzliche Förderung kein Geld bereit gestellt werde, sagte sie. Inklusion koste viel Geld, betonte dann auch Dagmar Pitters. „So ist etwa der Bau eines Fahrstuhls an einer Schule nur die Basis, aber noch längst nicht Inklusion.“

Reiner Kaminski, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg und Fachbereichsleiter Soziales Landkreis Harburg, verzichtete auf ein Grußwort und führte stattdessen ein Gespräch mit fünf langjährigen Beschäftigten aus Lebenshilfe-Werkstätten über ihre Wünsche für die Zukunft. Susanne Kracht, Lars Kaiser, Petra Brockmöller, Franziska Schumacher und Ute Grzonkowsky waren sich einig, dass sie endlich so akzeptiert werden möchten, wie sie sind. Auch wollen sie nicht länger aufgrund ihrer Behinderung lächerlich gemacht oder ausgelacht werden.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Ernst-Albrecht von Moreau (Geschäftsführer), Tel.: (04131) 3018-21.

Juli 2014

Lebenshilfe Lüneburg-Harburg gemeinnützige GmbH

Vrestorfer Weg 1 · 21339 Lüneburg
Fon (04131) 30180 · Fax (04131) 301882
 · www.lhlh.org
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