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17.10.19


Juni 2016

Erfolgsmodell wird 25 Jahre alt

Wohngruppen der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung feiern Jubiläum

Die Erfahrung nach einem Vierteljahrhundert zeigt für Frank Müller, dass die Wohngruppe für Menschen mit geistiger Behinderung in Buchholz eine Erfolgsgeschichte ist. „Die Bewohner fühlen sich wohl“, so die positive Bilanz des stellvertretenden Geschäftsführers der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg zum 25-jährigen Jubiläum der Wohnstätte an der Bürgermeister-Adolf-Meyer-Straße. „Die acht Frauen und zehn Männer haben die Möglichkeit, einen normalen und nach ihren Möglichkeiten eigenständigen Alltag zu leben. Denn das Prinzip der Wohngruppe baut auf die individuelle vorhandene Selbstständigkeit eines jeden Einzelnen auf“, sagt Frank Müller.
Das 25-jährige Bestehen feierten die Bewohner jetzt mit Familienangehörigen, Freunden und Lebenshilfe-Mitarbeitern. Als „Geschenk“ ermöglichte die Lebenshilfe unter Einbeziehung eines Profis eine Foto-Ausstellung, die Wünsche und Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder der Wohngruppe dokumentiert.
In der Einrichtung in Buchholz leben die 18 Menschen in sieben Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus. Die Zimmer sind individuell eingerichtet und außerdem im Erdgeschoss in einer Wohnung so gestaltet, dass, die auf Rollstühle angewiesen sind, dort leben können. Jeder Bewohner hat die Möglichkeit, sich in die eigenen vier Wände und damit in die eigene Privatsphäre zurückzuziehen und innerhalb der Wohnung oder des Hauses in Kontakt zu treten.
Das Angebot, in der Buchholzer Wohngruppe zu leben, richtet sich an Frauen und Männer, die in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe vorwiegend am Standort Tostedt beschäftigt sind.
Großer Vorteil für die Bewohner im Alter von Anfang 20 bis Mitte 50 ist, dass sie durch ihr eigenständiges Zusammenleben mehr Verantwortung für sich selber übernehmen, sich persönlich den eigenen Fähigkeiten entsprechend weiterentwickeln und einen strukturierten Tagesablauf haben. „Sie leben einen regelmäßigen Alltag, zu dem das Einkaufen und Putzen genauso gehören, wie Streitereien und das Lösen von Konflikten und Problemen“, erklärt Frank Müller.
Eine Betreuung durch die Lebenshilfe ist in der Regel nur in den Nachmittags- und Abendstunden sowie an den Wochenenden für etwa vier Stunden pro Tag vor Ort vorgesehen. Es gibt keine Nachtbereitschaft und auch keinen Frühdienst wie im Wohnheim. „Die Frauen und Männer wohnen mit viel Freiraum und Entscheidungsmöglichkeiten. Sie machen dabei selbstverständlich auch Fehler.“ Das ist alles viel weniger besonders als oft angenommen und genauso vielfältig wie in vielen anderen Wohnhäusern. „Menschen mit geistiger Behinderung haben ein Recht auf ein Leben, wie sie es sich wünschen mit der Unterstützung, die sie dafür benötigen.“ Und dieser Grundsatz wird in der Einrichtung in Buchholz vorbildlich erfüllt, so der stellvertretende Geschäftsführer.
Als Vorteil empfindet Frank Müller die Nachbarschaft zum Wohnheim der Lebenshilfe, das nicht weit entfernt ist. „Wer will, kann Kontakte dorthin knüpfen. Auch Übergänge sind in beide Richtungen gut vorstellbar.“ Viele ehemalige Bewohner sind auch in eine eigene Wohnung gewechselt und werden dort ambulant betreut.
Die Frauen und Männer in der Wohngruppe kommen in der Regel aus der Region und halten weiterhin oft engen Kontakt zu ihren Angehörigen.
Der Startschuss für die Wohngruppe fiel offiziell am 16. September 1991. Es sollte eine Ergänzung zu dem Angebot des Wohnheimes im Fischbüttenweg sein und ein eigenständigeres Le-ben für einzelne Bewohner ermöglichen. Zunächst diente der Wohngruppe ein Zweifamilienhaus an der Hamburger Straße als Domizil, fünf Frauen und Männer lebten dort als Gruppe zusammen. Ein Jahr nach dem Start kamen drei Bewohner hinzu. „Doch das Raumangebot war sehr knapp. Es war zu eng, die einzelnen Zimmer waren oft zum Teil nicht groß genug“, blickt Frank Müller zurück.
Die Lebenshilfe fand einen Investor, der ein neues Haus an der Bürgermeister-Adolf-Meyer-Straße nach den Vorstellungen der Lebenshilfe und der zukünftigen Bewohner baute. Der Umzug in den Neubau zunächst für 13 Bewohner erfolgte 2004. „Nach und nach hatten wir die Möglichkeit, zusätzliche Wohnungen dazu zu mieten. Diese Entwicklungsmöglichkeit war einfach optimal.“ Das Haus liegt zwar idyllisch im Grünen mit Blick auf eine Kuhweide, doch nicht fernab der Infrastruktur. „Der nächste Supermarkt und der Buchholzer Bahnhof sind nur etwa zehn Minuten entfernt.“

Lüneburg, den 13.06.2016