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16.10.19


November 2016

ViaNova bietet psychisch Kranken seit zehn Jahren Arbeitsplätze an

Werkstatt der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg ermöglicht Teilhabe am Berufsleben – Feier am 2. Dezember

„Wir geben psychisch Kranken seit zehn Jahren eine Lobby“, sagt Marc Wolter. Er leitet die ViaNova in Buchholz, eine Werkstatt der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg für Frauen und Männer mit psychischen Erkrankungen. Die ViaNova feiert ihr zehnjähriges Bestehen am Freitag, 2. Dezember, von 14 bis 18 Uhr auf dem Gelände an der Zunftstraße 5 in Buchholz.
Die ViaNova wurde 2006 als erste Werkstatt für psychisch kranke Menschen im Landkreis Harburg ins Leben gerufen. Aktuell sind 33 Frauen und Männer in der Einrichtung beschäftigt. Zehn Lebenshilfe-Mitarbeiter aus den Berufen Heilerziehungspfleger, Ergotherapeuten, Sozialpädagogen, handwerkliche Ausbildung, FSJler und BFDler betreuen und leiten die Werkstattbeschäftigten an. „Unser Auftrag ist es, Vorurteile gegenüber Menschen mit einer psychischen Erkrankung abzubauen, indem wir Berührungspunkte zwischen ihnen und der Gesellschaft schaffen. Das gelingt uns unter anderem über Beschäftigung, bei der Kundenkontakte wichtiger Teil des Alltages sind“, erklärt Marc Wolter.
Die Werkstatt der Lebenshilfe bietet einen integrativen Berufsbildungsbereich sowie längerfristige Arbeitsplätze an. Das Angebot richtet sich an Personen, die aufgrund psychischer Beeinträchtigungen oder einer chronischen psychischen Erkrankung ihrer Berufstätigkeit während eines längeren Zeitraums nicht nachgehen können. So waren einige Beschäftigte aufgrund ihrer Erkrankung viele Jahre überhaupt nicht in der Lage, einer Tätigkeit nachzugehen und mussten von Hartz IV leben.
Das Angebot ist ebenso für Menschen gedacht, die aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung eine Ausbildung abgebrochen oder diese gar nicht erst begonnen haben. Zur ViaNova kommen aber auch Frauen und Männer, die in ihrem vorigen Beruf krank geworden sind oder bei einem Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben. „Wir geben allen eine sinnvolle Beschäftigung. Sie haben die Möglichkeit, produktiv in einem strukturierten Tagesablauf zu arbeiten. Das sind wichtige Voraussetzungen, um wieder gesund zu werden.“
Die Frauen und Männer erhalten zudem eine berufliche Zukunftsperspektive. „Wir versuchen, sie ihren individuellen Stärken und Schwächen entsprechend auf einen Arbeitsplatz zu vermitteln.“ In diesem Jahr ist es beispielsweise gelungen, zwei Beschäftigte erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie haben jetzt feste Jobs bei Unternehmen in der Lager-Logistik-Branche im Landkreis Harburg. Wichtige Voraussetzung für den Erfolg ist, dass die ViaNova einerseits gut mit den Arbeitgebern in der Region vernetzt ist und andererseits mit sozialpsychiatrischen Einrichtungen wie etwa der Psychiatrischen Klinik Lüneburg, den Wohlfahrtsverbänden, dem Herbergsverein und der HiPsy GmbH, die die Wohn- und Lebenssituation seelisch erkrankter Menschen im Kreis Harburg verbessert, enge Kontakte pflegt.
Die Beschäftigten bei der ViaNova können sich ausprobieren, um so die eigenen Fähigkeiten zu entdecken. Drei Arbeitsbereiche stehen zur Verfügung: die Montage, der Verkauf im Sozialkaufhaus find' was und der Digitalisierungs-Service „scan' was“. „Wir legen viel Wert darauf, kundenorientiert zu arbeiten und versuchen daher, Aufträge zu bekommen, die die Vielfalt auf dem Arbeitsmarkt widerspiegeln.“ So bauen die Beschäftigten in der Montage etwa Treiber für LED-Lampen zusammen, führen Funktionskontrollen von Festplatten, Speicherkarten, Bluetooth-Kopfhörern für Unternehmen wie Saturn, Mediamarkt und Medimax durch und versehen die Produkte mit Etiketten des CE-Zeichens. Durch die Anbringung der CE-Kennzeichnung bestätigt der Hersteller, dass Produkte den produktspezifisch geltenden europäischen Richtlinien entsprechen. Zudem stellen die Beschäftigten Kamin- und Grillanzünder her.
„Unser Sozialkaufhaus find' was zeichnet sich durch den direkten Kundenkontakt aus“, sagt Marc Wolter. Zum einen gibt es Verkaufs- und Beratungsgespräche in dem Geschäft für gut erhaltene Dinge aus zweiter Hand. Zum anderen bauen die Beschäftigten Möbel bei Kunden auf und holen Spenden ab, die dann im Sozialkaufhaus verkauft werden. Das sind neben gebrauchten Möbeln auch Haushaltswaren, Kinderartikel, Ölgemälde, Kleingeräte, Plattenspieler und Schallplatten, CDs, Kassetten, Lautsprecher, Fernseher und Bücher.
Beim Digitalisierungs-Service werden Schriftstücke wie etwa Rechnungen, Buchführung, Aufträge, Vorgänge, Lieferscheine, persönliche Unterlagen, aber auch Bilder und Dias digital archiviert. Kunden sind unter anderem Firmen, Behörden, Krankenhäuser und Privatpersonen in den Regionen Buchholz, Tostedt, Seevetal, Winsen/Luhe, Harburg und Lüneburg. Die Lebenshilfe-Beschäftigten erstellen zukunftssichere, übersichtliche und platzsparende Datenarchive, bringen Akten auf Zentimetergröße.
„Seit zehn Jahren geht die ViaNova professionell mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen um.“ Das ist wichtig, weil immer wieder neue Interessenten zur ViaNova kommen werden. „Die Krankheitsstatistik in der Gesellschaft ist zwar gleichbleibend hoch, doch gleichzeitig ist die Bereitschaft gestiegen, sich behandeln zu lassen“, berichtet Marc Wolter. Daher ist es wichtig, so sagt er weiter, „dass wir gute Angebote vorhalten, die unseren Beschäftigten Mut machen und ihr Selbstwertgefühl aufbauen“. Die Werkstatt funktioniert zwar wie ein Unternehmen, doch stehen bei der Arbeitsweise immer die Rehabilitation und Pädagogik im Vordergrund. „Damit psychisch Kranke ihr Recht auf Teilhabe bekommen.“
Beim Tag der offenen Tür zum zehnjährigen Bestehen am Freitag, 2. Dezember, gewährt das ViaNova-Team bei Führungen durch die Betriebszweige einen Blick hinter die Kulissen. Zudem sind eine Tombola, Musik und Spiele geplant. Auch wird den Gästen Kaffee und Kuchen angeboten.

Marc Wolter
Leiter ViaNova
Fon (04181) 2349899

Lüneburg, den 24.11.2016